Auch am Sonntag mache ich noch letzte Besuche bei Freunden in Lima. Mein Amigo Junior, den ich aus Villa Rica kenne, macht es mir aber nicht gerade leicht. Erst verschiebt er den Besuch gefühlte 7Mal, dann will er dass ich alleine zu ihm nach Hause nach Callao fahre. Da es bis dorthin aber keine grösseren, gut angeschriebenen Busse gibt, bin ich sehr skeptisch ob ich ohne Probleme dort lande wo ich will. Deshalb mache ich ihm klar dass er mich wohl oder übel an der nächsten Metro-Station abholen muss. Von dort nehmen wir ein Microtaxi zu ihm nach Hause.

Im Gegensatz zu La Punta ist dies jetzt das Callao welches ich ungefähr erwartet habe. Viele Leute, zusammengerückte Backsteinhäuser, die Hälfte unfertig aussehend, Motos, Hunde, Marktstände, fliegende Händler, es herrscht ein riesen Gewusel… Um in Juniors Wohnung zu gelangen muss man sich auch neben ein paar Reissäcken eines Händlers vorbei zur Treppe quetschen. Junior meint, die Zone sei einigermassen sicher auch wenn es hier viele venezolanische Flüchtlinge hat.

Wir haben beide erstmal Hunger und setzten uns in den Markt. Ich kriege einen frisch gemixten Ananas-Shake und ein belegtes Brötchen zum Frühstück. Natürlich weiss ich, dass jetzt allen Ärzten die Haare zu Berge stehen würden, man soll ja nichts vom Markt oder von der Strasse essen was nicht gekocht ist. Aber es hat so viele Leute hier und die überleben das auch. Letztes Mal habe ich in den Communitites gegessen und es war auch alles gut. Der Ananassaft ist der Hammer.
Junior erzählt mir was sich alles in seinem Leben geändert hat, und das ist einiges. Er hat jetzt eine Freundin (bald Frau) und eine 4Monate alte Tochter. Er ist schon sehr herzig wenn er über sie spricht. Ich weiss, dass er finanziell schon vorher oft am Rad gedreht hat, aber er macht wiklich alles um seine Familie über Wasser zu halten. Das beinhaltete auch nach Lima zu ziehen, in das Haus seiner Mutter, zusammen mit seinem jüngeren Bruder. Er sagt, so sei es auch einfacher mit der Kleinen weil die Grossmama viel mithelfen kann. Aber auch so ist es nicht leicht. Er hatte vor ein paar Monten einen schweren Töffunfall (was nicht wundert wenn man seinen Fahrstil kennt leider) und hatte sich das Handgelenk gebrochen und den Kopf aufgeschlagen. Es ist zwar alles verheilt, aber das Handgelenk schmerzt. So musste er seinen Job als Koch an den Nagel hängen. Nun arbeitet er in Schulen, er unterrichtet Kinder in Schach. Es ist mir zwar schleierhaft wieso dieser Job genau existiert, aber umso besser für Junior, den er wird ganz gut bezahlt. Er wirkt zwar müde, aber dass liegt auch einfach am Umstand dass ein kleines Kind im Hause wohnt. Leider kann ich Maia Isabela nicht kennenlernen da ihre Mama mit ihr gerade auf Familienbesuch in Villa Rica ist. Dafür habe ich mehr Zeit um mit Junior zu plaudern. Auch fürs Zmittag setzten wir uns in den Markt. Für mich ist es immernoch sehr ungewohnt dass ganze gehäutete Hühner offen herumhängen wo Hunde daranschnüffeln und Fliegen herumschwirren. Naja, ich werde einfach darauf schauen, dass alles wirklich gut durchgekocht ist…


Dann muss ich mich aber schon bald verabschieden. Mindestens 1.5Stunden muss ich einplanen um von Callao nach San Isidro zu kommen. Da treffe ich um 5Uhr meine Gastfamilie vom ersten Besuch in Lima, Cuqui und Enrique mit ihrer Tochter Daniela. Junior begleitet mich zum Micro welches direkt zur Metrostation fährt. Die Fahrt von ca. 15min kommt mir elend lang vor. Der Fahrer fährt ziemlich ruckartig und ich bin mehrmals erstaunt dass wir niemanden rammen, vorallem als er einfach ohne zu schauen in den übervollen Kreisel hineinfährt. Ich muss laut lachen dass wir das alle heil überstehen. Natürlich fährt das Micro dann nicht ganz an die Station und ich muss mich kurz orientieren. Hier drehen sich die Leute teilweise zu mir um, ich bin garantiert die einzige Ausländerin im umkreis von Kilometer…. Ein netter Mitfahrer meint er begleite mich bis zur Station. Es ist zwar nur ein paar hundert Meter, aber auch hier wimmelt und wuselt es von Menschen. Mit Geleit komme ich aber gut in der Station an. Dort quetsche ich mich wie eine Sardine in der Büchse in den übervollen Bus und fahre eine geschlagene dreiviertel Stunde platt an mindestens 4 andere Leute gedrückt bis nach San Isidro. Dort kämpfe ich mich aus der Metro und mache mich auf den fast schon altbekannten Weg zu meiner alten Unterkunft.
Cuqui und Enrique empfangen mich mit offenen Armen. Es ist schon fast ein Kontrastprogramm zu Callao, hier ist alles friedlich, sicher, leer und ruhig. Sie wohnen gleich neben einem öffentlichen Park, was in Lima schon fast als „im Grünen“ gelten kann. Wir trinken einen Tee, zwei Tee, drei Tee und underhalten uns grossartig! Daniela erzählt von ihrer Europareise, unter anderem hat sie Prag, Berlin, Nürnberg, Barcelona und zum Schluss noch Verwandte in Rom besucht. Im Januar kommt sie für kurze Zeit vielleicht in die Schweiz bevor sie von Europa dann nach Indien weiterreist. Der ganze Abend ist sehr interessant, die Corzos isnd sehr gebildete Leute die viel über ihres Land wissen. Es ist eine Freude sie wiederzusehen.
Kurz vor 10 Uhr bin ich dann ziemlich erledigt wieder im Hostel, irgendwie war das heute sehr viel Spanisch auf sehr hohem Niveau haha. Roberto kommt auch erst spät, er hatte wie jeden Tag voll in der Kaffeemesse zu tun, von 9Uhr morgens bis 9Uhr abends am Stand gestanden und Kaffee verkauft. Zumindest lief es ganz gut, die Lager sind leer.
Am nächsten Tag stehen wir Zeitig auf, räumen das Zimmer und fahren dann auf 12Uhr nach Miraflores ins Restaurant La Mar um uns ein spektakuläres Ceviche zu gönnen. Meine Arbetskollegen haben mir ein wenig Geld zugesteckt bei meinem Praktikumsabschluss und das geben wir mit grösstem Genuss im 2.besten Restaurant Perus aus. Dann spazieren wir an der Küste entlang bis hinübr nach Barranco und haben endlich Zeit miteinander zu quatschen. Wir erledigen die letzten Dinge, Roberto muss noch ein Paket nach Villa Rica aufgeben, ich muss noch Wasser einkaufen, dann quetschen wir uns in den übervollen Bus ins Zentrum, essen etwas kleines zu Abend und holen unsere Koffer im Hostel ab. Nun sitzen wir im Terminal von Cruz del Sur und warten auf den Nachtbus nach Huaraz in die Berge, und – noch viel wichtiger – in die Sonne!