Um 10Uhr schaffe ich es mich aus meinen 3 Decken zu wickeln. Das Frühstück habe ich verpasst, aber ich kaufe mir an der Metrostation eine Empanada. Yohel und ich sind unterwegs in die STadt um ein paar Telefericos auszuprobieren. Die Gondeln sind Teil des MEtrosystems und kosten uns deshalb nicht mal 1.-. Wir fahren ins Zentrum und von dort mit dem Tram bis Oriente. Je weiter wir uns aus dem touristischen Zentrum entfernen desto weniger modern werden die Häuser und bauten. Es geht immer etwas bergauf. Bevor es ganz steil wird hält das tram und wir steigen auf die Gondeln um. Man hatte uns gesagt wir sollten einfach die Fahrt geniessen, aber nicht unbedint in einem weit entfernten Barrio aussteigen, die sind immernoch eher gefährlich. Also schweben wir einfach ca. 30min erstmal den Berg hinauf und dann gleich wieder hinab. Die Aussicht auf die STadt ist mega! Ich war ja schon in La Paz begeistert von den Gondeln, die hier sind genausogut. Unter uns können wir die Bachsteinbauten ohne Fenster, mit der Bettwäsche aus dem Fenster hängend sehen. Immer wieder unterbricht ein Fussballplatz das Häuserchaos. In den noch ärmeren Gegenden sind die Gebäude dann nur nocha us Holz und Wellblech, irgendwie an den Hang geklebt und ich kann mir vorstellen dass wenn es hier regnet irgendwann das ganze Viertel weggeschwemmt wird. Die fahrt ist schön und beeindruckend.


Wir kehren zurück ins Zentrum und gönnen uns eine Glace zur Stärkung denn bald haben wir unsere nächste Free Walking Tour. Mit dem Metrozug fahren wir auf die andere Seite nach San JAvier. Es ist schon fast 2Uhr nachmittags und an der STation warten mehrere Guides mit verschiedenfarbigen Regenschirme ihre Gruppe. Wir müssen zu den Gelben. Hier in der nähe beginnt die Comuna 13, eine der bekanntesten Stadtviertel MEdellin, einerseits wegen ihrer von Gewalt geprägten Vergangenheit, andererseits wegen seiner wunderschönen Grafitis und den Rolltreppen welche den Leuten den steilen aufstieg bis oben an den Berg erleichtert.
Yohel und ich kaufen uns zur Erfrischung einen Becher Guarapo, die typische Zuckerrohr-Limonade. Dann geht es schon bald los. Wir gehören zu spanischen Gruppe welche mit ca. 10 Leuten 3mal kleiner ist als die englische. José begrüsst uns herzlich zur Walkingtour in seinem Heimatbarrio. Er ist in der Comuna 13 aufgewachsen und hat sein ganzes LEben hier gewohnt. Er wird unsheute nicht nur von den schwiereigen früheren Zeiten sondern auch vom Wandel und dem Fortschritt welcher in den letzten Jahren stattgefunden hat erzählen.
Erstmal müssen wir aber bis zur Comuna laufen, das geht so 15min der Strasse entlang den Berg hinauf. Dabei erzählt uns José von den Gangs welche immernoch im Barrio aktiv sind. Früher war die comuna 13 Zone der Paramilitärs und der FARC welche sich bekämpften und dabei unzählige Tote hinterliessen. Man musste genau wissen wo die unsichtbare Grenze der Territorien verlief denn wenn man diese ohne Erlaubnis übertrat wurde man erschossen. So kam es das Kindernicht in die Schule konnten, da diese in einem von einer anderen Gruppe kontrollierten Teil des Viertels lag. Die Gruppen finanzierten sich durch den Drogenhandel und man musste aufpassen nicht in illegalse Geschäfte hineingezogen oder gar -gezwungen zu werden. Und dannw aren da auch noch die Interventionen der Regierung. In mehreren Säuberungsaktionen wollte man die Terrorgruppen aus der STadt jagen. Die bekannteste ist die Intervencion Orion bei welcher das Militär mit 2 Pumahelikoptern der Amerikaner die Drogenhändler sozusagena us den Häusern bomben wollte. Obwohl die Aktion relativ erfolgreich war (die FARc und die Paramilitares wurden vertrieben) starb dabei fast 1/3 der Zivilbevölkerung welche zwischen den Fronten eingeklemmt wurde. José errinnert sich dass es in seiner Jugend normal war Leichen auf der Strasse zu sehen und dass an diesem Tag sich alle einfach nur hinlegten ud beteten. Er meint aber auch er erzähle usn das nicht um Mitleid zu erregen sondern einfach um die Geschichte widerzugeben. Das ist heute Vergangenheit und obwohl es immernoch illegale Gruppen und unsichtbare Grenzen im barrio gibt hat sich die Situation um Welten verbessert. Die Comuna 13 wurde wieder aufgebaut und Künstler verzierten die Wände der Häuser mit Bildern und farbigen Grafitis der Hoffnung. Jedes Sujet hat eine Geschichte, eine Bedeutung und soll zum Frieden im Quartier beitragen.
Ein weiteres wichtiges Projekt für die Comuna 13 sind die Rolltreppen. In China hergestellt wurden sie 2011 mit Heikoptern eingeflogen um vor allem den alten Leuten den steilen Aufstieg zu ihrem Heim zu vereifachen. Heute sind swohol die Grafitis als auch die Escaleras Electricas ein Touristenhit. Dies bringt Geld und Jobs in die Comuna und viele Anwohner profitieren direkt davon. So wie José. Er führt unsere Gruppen erstmal unten an den Berg wo die Grafitis beginnen. Hier unterbricht ein megamässiges Gewitter die Tour für fast 1h. Es schüttet wie aus Kübeln und Blitz und Donner toben gleich über unseren Köpfen. Die Strasse verwandelt sich in einen reissenden Strom. Aber dann um fast 4Uhr ist alles abgeklungen und die Entdeckungstour kann weitergehen.
Wir werden zu verschiedenen Wandmalereien geführt welche an die Säuberungsaktionen erinnern (1. Foto), an die Hoffnung das Kolumbien eine rosigere Zukunft bevorsteht (2. Foto, die Vögel in den Farben Kolumbiens (Gelb wie Gold, Blau wie das Meer und rot wie das Blut welches für die Unabhängigkeit vergossen wurde) werden aus dem Käfig gelassen. Der Schlüssel welcher in den Kopf des Mädchens passt soll Bildung und Weisheit bedeuten.) oder auch an die ganze Geschichte Kolumbiens. José kann uns natürlich nicht ALLE Bilder aufschlüsseln, aber insgesamt strahlen sie wirklich eine positive Energie aus, machen das Barrio farbig und fröhlich. Hier werden auch öfters Musikvideos von bekannten Künstlern wie zB Daddy Yankee gedreht (3. Foto).




Dann gehts mit den Rolltreppen den Berg hinauf.


Oben kommt man auf einem dem Berg entlang verlaufenden Balkon an. Von diesem aus wurde früher auf Personen geschossen, die Drogenkartelle nutzten die Sichtbarkeit auch aus um Leute hinzurichten. Heute ist es ein Aussichtspunkt wo man über die ganze STadt sieht, wo die Leute flanieren und die Kunst- und Souvenirshops nur so aus dem Boden spriessen. José zeigt uns sein HAus welches gleich oben am Balkon steht. Er hat seine eigene Terrasse mit göttlichem Blick über MEdellin. Er erzählt uns von seiner Familie. Die Mutter hatte 22 Geschwister… Er selbst 12. Davon leben noch alle ausser 2, welche aber an Krankheiten und nicht an Gewalt gestorben sind. Sie hatten grosses Glück.
Unsere Gruppe, bestehend aus ein paar MExikaner, Jessi aus der Schweiz, Philipp aus Deutschland, mir und Yohel sind alle sowohl erschüttert als auch angetan von der Comuna 13. José erzählt seine Geschichte fast jeden Tag und er meint es sei vor allem am Anfang wie eine Therapie gewesen. In der Comuna gibt es viele Künstler die MAlen, HipHop machen, Tanzen oder eben grafiti sprayen. Das ist die Art wie die Leute hier mit der Vergangenheit fertig werden. Ziemlich beeindruckend!


Zurück bei der Metro in San Javier müssen alle Deutschsprechenden (JEssi, Philip, Yohel und ich) unbedingt etwas essbares haben. Wir fahren zusammen zurück nach El Poblado. Jessi ist Pflegefachfrau, Philip Polizist. Sie sind im selben Sprachkurs zusammen, aber eher noch auf Anfängerlevel. Die Tour heute war ein wenig schwierig für sie. Im Zug beäugt uns ein Local und denkt sich wohl er müsse sich den Touristen vorstellen. So meint er „Hola, soy Jesus“. Wir alle meinen so halbherzig „Hola“ und wenden uns wieder unserem Gespräch zu. Jessi meint nur, Ah ja, JEsus hatte es immer viele in der Abteilung für psychisch Kranke. Ich muss lachen, Nein, der hat sich vorgestellt, Jesus ist sein Name, der kommt in Südamerika oft vor. Haha, genial, ich erkläre Yohel dass JEssi den Jesus gleich in die Irrenanstalt stecken wollte, Wir müssen herzlich darüber lachen. Dann steigen wir an unserer STation aus und machen uns auf den Weg in ein italienisches Restaurant. Dort gibts ein wunderbares Risotto mit Shrimps und wir lernen noch JEssis und Philipps Kollegin aus dem Sprachkurs, Holly aus den USA, kennen. Wir bestellen eine grosse JArra (Krug) Sangria und lassen es uns schmecken.
Nach dem essen schreibt mir Florian ob wir mit ihm noch auf seinen letzten Abend in MEdellin anstossen wollen. Sowohl Yohel als auch ich sind zwar müde, aber das können wir schlecht absagen. Also suchen wir noch zusammen mit Philipp die Bar im Parque Lleras und haben einen Drink mit Florian, Michael (einem weiteren Deutschen welcher mit nur 25 sich verselbständigt hat und überall im Ausland vorträge über Bitcoin haltet), Jay (aus den USA, spricht kein Wort) und der Kellnerin aus Venezuela. Dann gehts kurz vor 12 ab ins Bett, Füsse schmerzen noch vom Tanzen gestern, also heute lieber etwas früher Nachtruhe.