Die Reise von Ibagué nach Bogota geht nicht so lange wie angenommen. Zumindest bis zum Stadtrand. Von da an schleppt sich der Car nur noch Zentimeterweise durch den dichten Verkehr. Der Busbahnhof leigt sehr Zentral und wie auch Lima ist bogota als Hauptstadt einfach nur ein riesiges Chaos. Nach der Busfahrt muss ich fast 30min auf ein Taxi warten, die schlange vor dem Schalter schient endlos, aber ich getraue mich nicht einfach ein Taxi ausserhalb anzuhalten. Die Autofahrt bis zu La Candelaria, dem Quartier in dem ich mein Hostel habe, dauert nochmals eine gute halbe Stunde. Als ich endlich in meinem Hostel ankomme bin ich vor allem eines: hungrig! Ich installiere also das letzte Mal meine sieben Sachen im Dorm und gehe dann auf direktem Wege ins nächste Crepes & Waffles, welches nur 10 Fussminuten entfernt liegt. La Candelaria ist ein altes Quartier mit hübschen farbigen Häuschen, ist bekannt für guten Ausgang und Strassenmusik. Da es heute Samstag ist ist also auch entsprechend viel los.
Zurück im Hostel bin ich dann aber zu müde um die anderen beiden Jungs die im selben Zimmer einquartiert sind in die Bar zu begleiten. Ich spüre auch etwas die Höhe scheint mir. Ich gehe also lieber schlafen.
Der nächste Tag ist dafür umso ereignisreicher. Pünktlich um 10Uhr stehe ich im STadtzentrum vor dem Goldmuseum und halte nach einem roten Regenschirm Ausschau. Die Jungs der Bogota City Tour kommen dann auch um 5nach hinter der Ecke hervor und es scharen sich sicher 30Touristen um sie. Wir starten auf der Plaza de Santander, vor dem Museo de Oro (Goldmuseum) wo wir gerade stehen. Santander ist der Namensgeber des Departements von Kolumbien in dem wir uns gerade befinden, allerdings weiss ich nicht mehr was der alles genau gemacht hat. Wird was mit der Unabhängigkeit zu tun gehabt haben.

Eine Strasse weiter wird uns die Stelle gezeigt an dem ein sehr bekannter Jurist erschossen worden war. Es hängen Tafeln an der Wand des Gebäudes. Von der nächsten Plaza aus sehen wir den Turm eines Shoppingcentres mit dem Zeichen eines grünen Saphirs. Diese Edelsteine sind sehr typisch für Bogota und unser Führer erklärt uns wie man einen Fake- von einem echten Stein unterschieden kann. Dann geht es weiter, zurück woher ich kam, nach La Candelaria. Uns werden ein paar der Häusergraffiti erläutert, die Kirche gezeigt. Wir dürfen Chicha von den Strassenhändlern probieren, der Maisdrink hat hier ein wenig Alkohol und ist so etwas das Einstiegsgetränk für den Ausgang. Auf der Plaza Chorro de Quevedo findet man immer jemanden in feierlaune, sowie auch viele Künstler welche ihren Schmuck, Bilder, Portraits oder handgemachten Traumfänger und Körbe verkaufen.



Die nächste Station ist das Museum von Botero. Wenn in Medellin die meisten seiner Statuen stehen, dann hat Bogota dafür seine Bildersammlung gekriegt. Allerdings muss diese auf Geheiss des Künstlers gratis ausgestellt werden. Unser Guide erklärt uns den typischen Malstil Boteros, der erstmal ein wenig wie seine Statuen aussieht: füllig.



Auf dem letzten Bild stellt Botero eine Szene aus dem Bürgerkrieg nach, man sieht 6 Bauern welche im Wald sich verstecken und wache halten. Der ganz rechts hat ein wenig Angst wie uns scheint. Zigarrenstummel am Boden zeigen die Nervosität. Blauer Himmel, rote Hängematte und gelbe Hemden stehen für die Farben Kolumbiens.
Ein weiteres interessantes Bild ist die nackte Frau. Im Hintergrund zeichnete Botero sich selbst wie er die Person die gerade hereinkommt etwas ungemütlich anstarrt, da sie ihn beim zeichnen stört. Die störenden Personen sind dann auch die Betrachter selbst, das Bild wurde extra direkt gegenüber der Eingangstür des Raumes aufgehängt. Und auch hier sehen wir die Nationalfarben Kolumbiens auf der Malerpalette Boteros. Auch sehr typisch ist ausserdem der Leberfleck der Frauen die Botero malte (hier auf der rechten Pobacke).

Weiter geht die Tour an einem wichtigen Theater vorbei zur Plaza Mayor von Bogota. Die Regierungsgebäude und die Kathedrale hier sind wunderschön. Der Justizpalast sticht hervor mit seinem modernerem Design. Dies, weil Pablo Escobar mit einigen Guerillatruppen diesen Palast seinerzeit gestürmt und in brand gesetzt hatte um ihn belastende Papiere zu vernichten. Auf dem Gebäude steht in grossen Lettern: „Colombianos: Las Armas os han dado independencia los Leyes os daran Libertad“ (Kolumbianer: Die Waffen gaben euch de Unabhängigkeit, die Gesetzte werden euch Freiheit geben). Die Plaza ist generell sehr beeindruckend, weitläufig und gefüllt mit Menschen und Tauben. An der Ecke neben der Kirche probieren wir gegrillten MAis, man kann Fotos mit Lamas und Alpakas machen, Venezolaner verkaufen Bilder gemalt auf venezolanischen Geldscheinen um zu demonstrieren wie wenig es noch wert ist.


Der letzte Stopp unserer Führung ist im Kulturzentrum Garcia Marquez, hier gibt es eine Bibliothek, die gerade eine Sonderausstellung mit Autoren von Mexiko hat. Es ist schön farbig geschmückt und vom Dach des runden Gebäudes hat man eine schöne Aussicht hinunter auf die belebte Strasse.

Drei Stunden waren wir unterwegs, nun ist es kurz nach 1 und ich bin zwar extrem hungrig, möchte aber unbedint noch ins Museo de Oro, welches um 4Uhr schon schliesst. Also verschiebei ch das Essen und mache mich auf, zurück zum Ursprungsplatz der City Tour. Dort befindet sich kolumbiens bekanntestes Museum. Ich habe schon sehr viel davon gehört. Vor allem in anderen Museen sieht man oft dass die Hauptfundstücke der Region eben in der HAuptstadt ausgestellt sind. Und ebendiese würde ich jetzt gerne noch nachträglich sehen.
Ich betrete das riesige Gebäude, hole einen Audioguide ab und folge den Pfeilen in die Sammlung. Und diese ist riesig! Über zwei Stockwerke sind hier die wertvollsten Fundstücke aus ganz Kolumbien zusammengestellt. Alles, wirklich ALLES, hier drin ist aus purem Gold. Es glitzert und glänzt aus allen Ecken. Schmuck, Brustplatten, Kriegsgegenstände, Figuren, Stöcke… alles was man sich vorstellen kann gibt es hier gemacht aus gold. Besonders beeindruckt mich eine Muschel welche mit Gold überzogen wurde. Die Schale des Meerestieres ist schon lange zerbröckelt, das Gold hat sich aber erhalten.

Ich verbringe geschlagene 3h im Museo de Oro in denen ich mir im Detail die Geschichten hinter den verschiedensten Kulturen aus allen Teilen Kolumbiens anhören darf. Die Ausstellungsstücke sind nach Region sortiert und man kann gut die unterschiedlichen Arten von Bearbeitung, Form oder Gebrauch erkennen. Ich finde Namen wie die Ciudad Perdida oder San Agustin wieder und weiss nun was man in den Gräbern und den Ruinen dort auch wirklich gefunden hat. Danach wundere ich mich nicht mehr warum die Spanier dachten sie seien im El Dorado angekommen. Jede Frau trug schonmal Ohrringe aus Gold, das war gar nichts spezielles. Schmuck aus Gold galt als Huldigung an den Sonnengott und das war etwas für jedermann.
Das wertollste Artefakt ist ausserdem ein sehr filigranes Schiffchen aus Goldfäden welches ein Ritual darstellt bei dem Frauen auf einem Floss zusammen mit dem Schamanen auf einen See in der nähe von Bogota hinausfuhren um Goldpulver ins Wasser zu streuen. Somit wurde der ganze See zu einem Goldbad. Als die Conquistadores das sahen fuhren sie am nächsten Tag Schaufel und Spaten auf und fingen an den See abzugraben. Sie fanden auch wirklich viel Gold dort, zerstörten aber einen heiligen Ort der Indigenas.
Hier nun ein paar Fotos einiger der schönsten Ausstellungsstücke:



Nach dem Museumsbesuch bin ich kurz vor dem Verhungern. Ich setzte mich einmal mehr ins Crepe & Waffles, einfach weil es gerade am nächsten ist. Danach muss ich meine Füsse hochlegen welche nach 6h herumstehen und zuhören ein wenig schmerzen. Sie müssen sich erholen, den morgen will ich noch etwas mehr von Bogota sehen.