Lima – Am Ende meiner Reise

Als der Flieger am späten Nachmittag in Lima landet erwartet mich doch tatsächlich jemand am Flughafen. Yohel ist gekommen um mich in empfang zu nehmen, sogar mit einem grossen Poster und Weihnachtsgeschenken. Ooooh, ich bin sehr gerührt! Auf dem selbstgemalten Poster steht: „Willkommen Zuhause, Willkommen in Peru“. Und so fühlt es sich irgendwie an wieder in Lima zu sein. Ich mag die Stadt nicht speziell aber ich kenne sie doch schon gut. Wir suchen das Taxi des Hostels welches ich bestellt habe und erzählen uns was alles passiert ist seit wir uns in Medellin das letzte Mal gesehen haben. Yohel wohnt ganz in der Nähe der Plaza San Martin wo ich mein Hostel habe. Endlich mal wieder ein eigenes Zimmer um meine Sachen auszulegen und zu packen. Jetzt brauche ich allerdings erstmal ein Abendessen. Der Verkehr war mal wieder schrecklich und es ist schon bald 6Uhr abends. Seit dem Frühstück mit Andrea und Joaquin hatte ich nichts zwischen den Zähnen. Yohel begleitet mich noch bis zum Real Plaza, einem riesigen Einkaufszentrum wenige Blocks von der Plaza entfernt. Dann muss er aber ins Studio, seine Nachtschicht fängt bald an. Ich suche mir einen Platz im überfüllten Foodcourt und beobachte beim Essen die Leute. Aus den Lautsprechern schallen Weihnachtslieder, alles ist schön geschmückt und es ist auch Abends um 7 noch warm genug für kurze Hosen und T-Shirt.

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Nach dem Essen spaziere ich zurück ins Hostel. Die Plaza San Martin ist wunderschön beleuchtet und alle sind draussen mit der ganzen Familie. Ein bisschen nostalgisch werde ich schon wenn ich daran denke dass ich in drei Tagen heimfliegen werde. Ich kann noch gar nicht fasse dass ich so bald schon zuhause sein werde. Und schon gar nicht dass ich in 2 Wochen (2 WOCHEN!!) nach Glasgow ziehen werde. Ich hatte bis jetzt nie länger als 2min darüber nachgedacht. Das einzige was irgendwie einer Vorbereitung nahe kommt ist der Fakt dass ich mir ein App heruntergeladen habe wo ich freie WG-Zimmer ansehen kann. Ansonsten bin ich mental noch sehr sehr weit weg von einem erneuten Studienbeginn oder Umzug…

Ich gehe auf mein Zimmer und geniesse es mal wieder alleine zu sein, ohne auf andere Leute achten zu müsse. Ich lese ein wenig in den News und höre Musik. Irgendwann muss ich eingeschlafen sein denn ein Klopfen an der Tür weckt mich. Roberto ist da. Ich dachte erst er würde es nicht mehr nach Lima schaffen, sein Chef imMilitär hat erst kürzlich gewechselt und es war sehr lange nicht klar ob er es irgendwie aus Villa Rica herausschaffen würde. Aber ich wusste auch das in Südamerika alles irgendwie möglich ist… Ich bin sehr glücklich ihn nochmals sehen zu können bevor ich nach Hause fliege.

So verbringe ich die letzten 3 Tage in Lima zusammen mit Roberto. Wir shoppen uns durch Souvenirläden und Supermärkte, geniessen das erstaunlich gute und sonnige Wetter, probieren uns durch sämtliche Fischrestaurants der Stadt (in Villa Rica gibt es keine Shrimps und die sind hier offensichtlich gerade Saison) und besuchen auch nochmals den Circuito de Agua. Roberto kennt den Brunnenpark noch nicht und ich will ihm unbedingt die Abendshow zeigen. Es hat unglaublich viele Leute und nach dem Spektakel gönnen wir uns noch ein paar Anticuchos in einem der vielen Esszelte. Am letzten Abend gönnen wir uns einen Drink in einem der schicken Bars an der Plaza San Martin bevor wir in einen brandneu eröffneten Club tanzen gehen. Obwohl wir beide wissen dass wir uns sehr vermissen werden ist die Stimmung nicht traurig. Wir haben eine ganz tolle Zeit zusammen und ich bin sehr dankbar dafür.

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Am Samstag Nachmittag dann stehe ich mit einem total überfüllten Koffer in der Hostellobby. Unser Taxi bringt uns durch den zermürbenden Verkehr durch die halbe Stadt zum Flughafen. Ich habe extra nicht allzu viel Zeit eingerechnet, ich mag nicht noch lange mit Roberto herumsitzen, das macht mich nur traurig. Ich hasse abschied nehmen, vor allem da ich dieses Mal sicher bin dass es für eine sehr lange Zeit sein wird. Es ist auch einfach ein komisches Gefühl, ich will nach Hause zu Familie und Freunde, aber dann will ich auch nicht hier weg und gleichzeitig winkt das Abenteuer PhD in Schottland und irgendwie holt mich das alles in dem Moment ein als ich mich in die Schlange zum Gate stellen soll. Roberto umarmt mich für eine gefühlte Ewigkeit und natürlich muss ich weinen. Aber ich weiss, auch wenn es eine lange Zeit dauern wird, ich kann wiederkommen, irgendwann. Das ist zwar gerade ein etwas schwacher Trost, aber besser als nichts. So lasse ich Roberto gehen, ich weiss ihm geht es gerade nicht besser als mir. Am Gate sitze ich vor mich hinstarrend herum bis der Flug endlich aufgerufen wird. Jetzt will ich nur noch fort von hier. Endlich im Flieger schaue ich etwas genervt aus dem Fenster, es geht mir nicht schnell genug. Eine ältere Dame setzt sich neben mich und sagt ganz aufgeregt hallo. Das stellt mich wieder etwas auf. Haha ich werde die überkommunikativen Südamerikaner so vermissen. Ich grüsse zurück und zeige ihr 5min später wie man den Gurt öffnet und schliesst und erkläre ihr wie man das iPhone auf Flugmodus stellt. Ich versichere ihr auch dass ihr Panetone welchen sie mitschleppt nicht herumrutschen wird wenn sie ihn unter den Vordersitz stellt. dEr Flieger wird nicht so steil hinaufsteigen. „Es mi primer vuelo“ meint sie, es sei ihr erster Flug. Ja, das habe ich mir doch gedacht. Sie geht nach Milano, Italien, das erste Mal um ihre Tochter und Familie zu besuchen. Und da bringt sie Panetone mit, haha ich muss innerlich sehr lachen. Der Flug ist somit sehr unterhaltsam. Sie macht mir sogar eine neue Frisur als ich mich über meine fettigen Haare beschweren nach 8h fliegen. Der Zopf sieht sehr gut aus 🙂 Sie meint sie habe das immer für ihre Tochter gemacht. In Madrid angekommen helfe ich ihr ans neue Gate und warte dann auf meinen eigenen Flug. Ich freue mich so so sehr auf meine Familie!! Und auf mein Zimmer und mein eigenes Bett…! Südamerika und das Reisen waren wundervoll und ich habe so viel neues gesehen und erlebt, so viele tolle Erinnerungen und neue Freundschaften. Aber nun ist es Zeit nach Hause zu kommen. Auch wenn es nur für eine kurze Zeit ist, denn das nächste Abenteuer kommt bald…

Feliz Navidad

Den Tag vor heilig Abend verbringe ich mit Shopping. Ich brauche ein Geschenk für Andrea und ein neues Outfit. Wir feiern in festlichem rot und meine Auswahl an Tshirts beschränkt sich auf ein mehr oder weniger ausgewaschenes schwarz. Elegant ist auch nicht wirklich ein Adjektiv dass meine Reisekleidung beschreibt. Also wandere ich durch Bogota mit allen anderen Weihnachtsshoppern die noch nach Geschenken suchen. Allerdings bin ich ziemlich planlos was Andreas Vorlieben angeht, so kaufe ich erstmal einen grossen Panetone für die Gastgeberfamilie. Dann probiere ich mich durch die Kleiderläen und finde viel zu viel tolle Sachen. Naja ich kann wohl die verwaschene Hälfte der schwarzen Tshirts hier lassen und dafür ein paar kolumbianische Blousen heimnehmen.

Als ich am frühen Nachmittag hunger kriege und immer noch kein passendes Geschenk für Andrea gefunden habe kommt mir doch noch eine Idee. Jeder mag gutes essen, also werde ich ihr einen Gutschein von Crepes&Waffles schenken. Das ist dann auch gleich der Anlass mich noch einmal dort zu verköstigen. Bald sitze ich, nun ausgestattet mit allem was ich heute brauche, im Untergeschoss des Restaurants. Es ist wie so oft bis auf den letzten Platz gefüllt. Ich unterhalte mich gerade auf Whatsapp als die Leute plötzlich unruhig werden. Im ersten Moment checke ich gar nicht was läuft. Dann bemerke ich die schwankenden Lampen. Oha, Erdbeben. So schnell wie er gekommen ist, ist der Spuk dann aber auch vorüber. 2min später schreibt mich Yohel aus Lima an: Kathrin, es gab ein Erdbeben in Bogota, bist du ok? Ich bin beeindruckt, das ging schnell. Aber er ist auch Reporter, spricht für die Aktualität seiner News denke ich. Ich kann ihn beruhigen, alles ok. Im Internet sehe ich die stärke des Bebens nach: über 6 auf der Richterskala, das Epizentrum nicht sehr weit von Ibague entfernt. Wahrscheinlich hats hier unten weniger geschüttelt als auf der Strasse. Das ist zwar gut aber falls etwas eingestürzt wäre hätten wir alle hier unten festgesessen.

Nach überlebtem Erdbeben und einem wieder mal wundervollen Crepe mit weisser Schokolade und Ananas kehre ich ins Hostel zurück. Dort packe ich meine Sachen ein, ich werde wohl bei Andreas Freunden übernachten. In der Hostelküche rennen Kinder herum, die Grossmutter ist da und macht schon fleissig Tamales für den nächsten Morgen wie sie mir erklärt. Weihnachtslieder gemixt mit Reggeaton schallt durch das ganze Haus. Festlich haha. Ich mache also alles für den Abend bereit und chille noch ein wenig auf dem Sofa. Meine Familie ruft an, ich schreibe Freunden, scrolle durch Facebook und verfasse noch ein paar Blogbeiträge. Dann, um ca. 18Uhr bestelle ich mein Uber an die Adresse die Andrea mir gegeben hat. Die Strassen sind fast leer, alle sind zuhause bei Familien und Freunde, viele auch in den Süden gereist um es an Weihnachten etwas wärmer zuhaben als in La Nevera (Kühlschrank, der Sitzname von Bogota).

Ich komme also etwa eine halbe Stunde später in irgendeiner Gasse in Bogota an und klingle an der Tür. Erst macht niemand auf und mein Uberfahrer wartet freundlicherweise mit mir bis Andreas Freund Joaquin 5min später auftaucht. Er kommt auf dem Töffli dahergefahren und meint er sei noch am Arbeiten, nur 2 Strassen weiter in seinem Fastfood Laden. Wir stellen also nur kurz meinen Koffer ins Haus und kehren dann in Joaquins kleine Bar zurück. Er verkauft Hotdogs (mit Reis), Pollo a la Brasa (Chickenwings, mit Reis), Pommes Frites, Empanadas und weitere kleine Snacks (natürlich alle mit Reis). Er ist ein riesiger Superhero Fan (und das mit seinen 40 Jahren). Schon in seinem Haus habe ich überall DC Poster und Superman oder Batman Figuren herumstehen sehen. Dasselbe gilt für den Fastfood Laden. Seine zwei Mitarbeiterinnen, beide Venezolaner, tragen je ein Captain America und ein Hulk Shirt, Joaquin selbst eines von Iron Man.

Ich setzte mich also zu diesen Leuten und werde gleich von allen Seiten mit Fragen bombardiert. Joaquin ist sehr lustig, macht viele Witze und man kann auch spüren dass seine beiden Chef-Fritiererinnen ihn gerne haben. Ich kriege eine Empanada und etwas zu trinken. Unterdessen schreibt mir Andrea sie stehe im Stau mit dem Bus. Es ist bald 8Uhr und alle Arbeiter von ganz Bogota wollen nun nach Hause. Naja, wir warten ja gerne, ist nicht so dass ich von einer Kolumbianerin erwarte dass sie pünktlich ist, nid wahr 😛 Bald kommen die beiden Freunde der Venezolanerinnen, bringen Bier und Smirnoff und das ist wohl der Anfang der Fete von heute Abend. Als Andrea endlich ankommt habe ich schon 5 neue Freunde. Wir schliessen nun Joaquins Laden, Andrea und ich gehen noch kurz Wein kaufen um die Ecke, dann gehts erstmal zu Joaquins Haus. Andrea muss noch umziehen auf rot. Ich kriege ein Gästezimmer zugewiesen und der Bettbezug ist natürlich ganz im Superheldenformat. Ich schlafe heute sehr beschützt haha. Aber nun soll erstmal Weihnachten gefeiert werden. Als endlich alle bereit sind gehen wir 2 Strassen zu Fuss durch ein Lichtermeer an Weihnachtsbeleuchtung zu Andrea und Joaquins Freunden. Die ganze Familie ist hier. Erstaunlicherweise keine kleinen Kinder, dafür drei Hunde. Grosseltern, Eltern, Onkel, Tante, Freund, Ehemann…. Wir sind eine Gruppe von ca. 25 Personen. Wir werden sehr sehr herzlich empfangen und ich überreiche der Mama erstmal den Panetone. Wir kriegen alle einen riesigen Teller Paella und werden auf die letzten paar Stühle im Wintergarten gesetzt. Alles hier ist dekoriert, blinkt in grün und rot, die meisten Leute haben Weihnachtspullover an in denselben Farben mit Rudolph dem Rentier und grossen HO HO HO Buchstaben. Es sieht so lustig aus wie es soll. Auch hier wollen natürlich alle nun von mir wissen was ich mache, woher ich komme und ich komme bald gar nicht mehr dazu die super feine Paella mit Shrimps und Muscheln zu essen.

Als alle erstmal satt sind schreiten wir zur Beschehrung. Joaquin platziert sich beim Weihnachtsbaum der fast unter all den Geschenken begraben ist. Jedes Geschnke wird einzeln verteilt und es muss erst geraten werden was wohl drinsteckt. Nach dem Auspacken muss man noch herausfinden von wem das Geschenk wohl ist. Alle machen hundert Prozent mit, inklusive Geschenkpapierknollen herumwerfen falls jemand eine falsche Antwort gibt. Es wird gespasst und gelacht, es ist eine sehr fröhliche Runde. Wir alle kriegen Wein und Bier und obwohl die Besinnlichkeit von Weihnachten total abhandenn kommt fühle ich mich schon fast als Teil einer grossen Familie. Andrea schenkt mir ein hübsches paar Ohrringe und Schokolade (sie kennt mich schon haha), Joaquin hat mir in aller Windeseile noch eine Trinkflasche (natürlich mit Superhelden) besorgt. Ich bin rundum glücklich. Lachen muss ich insgeheim als die Grossmutter eine fast meterhohe Marienstatue bekommt, inklusive anzuschraubender Heiligenschein. Sie ist zu tränen gerührt und die ganze Familie bestaunt die tolle Machart aus Holz. Ojee, ja ich würde das nicht i der Stube aufstellen wollen, aber gut 😛

Danach gibts Dessert. Eigentlich sind wir alle schon überessen, aber man kann nicht nein sagen wenn die Dame des Hauses selbstgemachten Pudding anbietet. Danach gibts noch ein wenig mehr Wein und ein wenig tiefere Diskussionen über das Leben. Ich danke den Gastgebern für die Feier und dass sie mich so bei ihnen zuhause fühlen lassen. Das ist doch normal mija höre ich darauf. (Mija ist kurz für mi hija, meine Tochter). So habe ich also eine grossartige turbulente, sehr authentische Südamerikanische Weihnachten zusammen mit Andrea mit der ich ebenfalls viel spreche und lache an diesem Abend.

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Irgendwann um 4Uhr morgens löst sich die Gemeinschaft auf. Ein paar Betrunkene Umarmungen und versprechen man dürfe gerne wieder kommen, mein Haus ist dein Haus usw. und dann machen Andrea Joaquin und ich uns auf den Weg ins Bett. Wir sind alle etwas zerstört, angetrunken, überessen, fröhlich, lustig und totmüde. Ich falle ins Bett und schlafe sofort ein.

Allerdings läutet der Wecker ziemlich früh am gleichen morgen. Um 9Uhr stehe ichhalb tot unter der Dusche. Joaquin hat vorgesorgt und Tamales gekauft, so sitzen wir 3 verkatert um 9:30 am Frühstückstisch. Ich kann bestätigen das Tamales ein gutes Katerzmorge ist. Ich bedanke mich nochmal, muss mich aber dann verabschieden. Mein Taxi steht schon vor der Tür. Ich umarme Andrea nochmals und lasse sie dann wieder zurück ins Bett gehen. Ich mache mich mit Sack und Pack auf zum Flughafen. Es geht nun zurück nach Lima wo ich meine letzten drei Ferientage verbringen werden.

Zurück in Villa Rica

Nach all unseren Tours ist es richtig angenehm mal einen Tag „frei“ zu haben. Roberto und ich schlendern durch die Feria (Markt) in Rurre, geniessen köstliche Wassermelone, schauen uns Kunst und Krempel an und machen einen kleinen Bootsausflug zum anderen Ufer ins Dorf Buenavista. Dort hören wir uns die Band auf der Plaza an die mit jedem Bier welches die Sänger trinken besser wird.

Am nächsten Tag beginnt die lange Rückreise. Unser FLieger geht um 11Uhr vom FLughafen Rurre nach La Paz. Der FLughafen ist so klein dass man ihn gar nicht als solcher erkennt. Es ist einfach eine Hütte mit zwei Zimmern die als Wartesääle bei Abflug oder Ankunft dienen. Der Flieger ist ein kleines Propellerflugzeug welches riesigen Lärm macht beim abheben. Wir sehen zu wie der Dschungel unter uns durchzieht, sehen den Fluss Beni auf welchem wir hergekommen sind. Langsam wird das grün lockerer und die Bergspitzen höher.

Nach ca. 40min landen wir auf 4000müM in La Paz. Es ist erstmal einfach nur kalt. Ein Taxi bringt uns an den Terminal wo wir 3h auf den nächsten Bus nach Cusco warten. Wir essen etwas und kaufen Wasser. Ich habe etwas Kopfweh, kein Wunder nach diesem Höenwechsel. Dann gehts in den Bus. Wir sehen uns NEtflixserien an bis wir nach ca. 4h an der Grenze ankommen. Es sit schon spät, 7Uhr und im Komplex in Desaguadero hat es keine anderen Leute. Die Aus- und wieder Einreise nach Peru ist in 20min passiert, es geht zurück in den Bus. Nun ist es schon dunkel und ich versuche etwas zu schlafen.

Frühmorgen sum 5Uhr kommen wir in Cusco an. Verpennt steigen wir aus und suchen schleunigst unser Hostel wo wir weiterschlafen können. Ein Bett ist einfach tausendmal besser als ein noch so bequemer Bussessel. Den Tag durch versuchen wir einen Flug nach Lima zu kriegen, was sich als etwas schwierig herausstellt weil Latam Probleme mit VIsakarten hat. So renne ich sicher 3mal zwischen dem Office und dem Hostel hin und her bis die Bezahlung dann mit MAstercard klappt. Wir gehen zur Bank und machen ein paar Besorgungen.

Um 5Uhr ungefähr machen wir uns auf richtung Kirche San Cristobal. Eine Strasse weiter unten Hat Tamara ihr Hostal. Sie ist gerade zur gleichen Zeit hier in Peru bevor sie nach Ecuador weiterfliegt und natürlich müssen wir uns sehen!! Der Aufstieg zur Unterkunft killt uns fast, jetzt ist nichts mehr mit an die Höhe angepasst sein. Dafür empfängt uns Tamara mit offenen Armen. Wir suchen uns ein gutes Restaurant und quatschen den ganzen Abend. Danach einen kurzer Verdauungsspaziergang an die Plaza um noch eine Glace zu essen bevor wir uns verabschieden müssen.

Roberto und ich übernachten nochmal in Cusco, am nächsten Tag fliegen wir am morgen nach Lima. Dort muss ich dringendst neue Hosen kaufen, Roberto sucht einen neuen Rucksack. Am Abend steigen wir in den nächsten Nachtbus nach Villa Rica. Ich schlafe keine Sekunde, der Bus ist kalt, ich habe eine verstopfte Nase, mein MAgen rumort. Ich bin sehr froh jetzt bald irgendwo zu sein wo ich ein paar Leute kenne und wo ich ein wenig bleiben kann.

Der Bus fährt bis La Merced, im Direktbus hatte es leider keinen Platz mehr. So steigen wir nach fast 10langen Stunden dort aus um zu Frühstücken. Wir sind beide etwas still, wir wissen dass dies nun das Ende unserer gemeinsamen Ferien ist. Es ist sehr gut möglich dass ich Roberto heute das letzte mal sehe bevor ich ganz zurück in die Schweiz fliege. Das ist schwierig und tut etwas weh. Aber andererseits hatten wir eine ganz tolle Zeit zusammen und das ist was zählt.

Ein weiters Auto bringt uns in 1h nach Villa Rica. Roberto steigt am Dorfeingang beim Haus seiner Eltern aus und ich muss Abschied nehmen. Danach bin ich leicht deprimiert und will eigentlich nur noch schlafen, auch wenn es erst 9Uhr morgens ist. In Villa Rica quartiere ich mich in einem der Hostels ein und mache genau das, einfach schlafen. Erst am Nachmittag kann ich mich aufraffen um rauszugehen. Da steigt meine LAune aber deutlich und schnell an. Ich besuche als erstes unser „Stammlokal“, das Cafe Dolce Peccato wo ich Sylvia treffe. Wir unterhalten uns eine Weile, dann gehe ich weiter zum Kleiderladen von Carlos wo ich ebenfalls freudig empfangen werde. Am Abend esse ich mit Andre und seinen Kollegen Znacht. Es ist soo cool, alle diese Leute wieder zu sehen!

Angekommen am Donnerstag bleibe ich bis am Montag in Villa Rica. Am Freitag ist ein kleines Fest im Office von Desco. Kike und Isha erwarten ein Kind und wie es hier tradition ist veranstalten ihre Freunde für sie einen Baby SHower. Isha ist hochschwanger, der kleine Lucas soll in 2 Wochen schon auf die Welt kommen. Roberto hat mir in Lima geholfen ein Geschenk zusammenzustellen, Babyschmapoo, Tücher, ein SPielzeug. Die anderen haben zusammengelegt für unter anderem Kleider, Windeln und sogar einen Buggy. Ich kann so alle meine Freunde von Desco auf einmal wiedersehen. DOn Luis, der Chefe, Kike und Isha natürlich, Nilton und sogar Vanesa kommt auf einen kurzen besuch vorbei. Sie arbeitet in einem anderen Projekt von dEsco in Pangoa, 8h weiter in der Selva. Das ganze ist sehr emotional für mich, ausserdem wird wild durcheinandergeredet, viele haben ish auch sonst schon länger nicht mehr gesehen, der Abend ist für mich sehr anstrengend vom Spanisch her. Aber es ist toll. Roberto rennt in Uniform kurz 5min vorbei um zu gratulieren. Vanesa hat ein paar SPiele vorbereitet und so wird den ganzen Abend bis spät in die Nacht gelacht, gegessen und getrunken.

Das Wochenende geht dann so weiter. Vanesa muss schon am Samstag morgen früh wieder nach Hause, ich habe nur kurz Zeit um mich zu verabschieden. Ich treffe mich aber dann mit ihrem freundeskreis etwas später. Jennifer geht mit mir Abendessen, dann sehen wir uns einen Volleymath von Carlos an. Später finde ich mich mit der Gruppe beim Karaoke und in der Disco wieder. Am Sonntag abend bin ich zum essen bei LEidy eingealden und den Tag verbringe ich mit Danitza und JEnnifer bei einem Ausflug zu den Catarratas del Leon.

Alles in allem bin ich super happy wieder hier zu sein. Vieles ist wie früher, aber nicht alles. Die Plaza ist nun offen, die war bei meinem letzten Aufenthat immer gesperrt wegen Bauarbeiten. Dafür sind nun alle Trottoirs aufgerissen und werden neu gemacht. Allerdings eher langsam, deshalb ist es ein wenig mühsam immer den Baustellen auszuweichen. Die Regenzeit nimmt genau am Tag meiner Ankunt ihren Anfang und es ist immer mal wieder feucht und Sandig, so wie ich es in Errinnerung habe.

Francois, der Schweizer der hier sein Restaurant Copaxa führt gehe ich auch noch besuchen und er lädt mich auf eine Portion Zürigschnätzlets mit Spätzli ein. Himmlisch!! Wir reden mehrere Stunden und ich lerne sein neues Haustier, ein Tigrillo kennen.

Am Montag kann ich mich dann auch offiziell für die Uni in Glasgow einschreiben da ich den Computer von Nilton kurz ausleihen darf. Das langsame Internet bringt mich zwar wie früher fast auf die Palme aber nach 2h ist alles erledigt. Dann bringe ich ein paar SAchen von Roberto welche noch in meinem Koffer liegen geblieben sind zum Militärquartel. Da befällt mich wieder etwas die Traurigkeit, aber schlussenldich wussten wir beide dass wir uns wieder trennen müssen. Ich werde ihm von meinen weiteren Reisen schreiben, und vielleicht vielleicht sehen wir uns im Dezember in Lima noch ein letztes mal.

Dann fuhre ich meinen grossen Koffer zu Desco ins Office und lasse mich nach dem Zmittag zum Terminal fahren. Ich möchte nämlich einen kurzen Ausflug von 2Tagen nach Pozuzo machen, der ursprünglichen deutsch-österreichischen Kolonie Perus.

Über den Wolken

Heute geht es endlich los! In den letzten Tagen habe ich mein ganzes Zimmer ausgeräumt, geputzt, Sachen verpackt oder weggeschmissen. Da ich nach Südamerika gar nicht mehr wirklich nach Hause komme, sondern gleich innerhalb einer Woche nach Glasgow ziehen werde fühlt sich das packen dieses Mal sehr nach Aufbruch in ein neues Leben an. Ich habe keine Ahnung wie bereit ich dafür bin, aber das finden wir noch raus auf dem Weg. Darum, los gehts!

Am Flughafen fällt es mir diesesmal leichter meinen Eltern Tschüss zu sagen als letztes Mal. Vielleicht weil ich nun weiss wo die Reise hingeht. Lima ist nicht mehr die grosse, unbekannte Stadt. Ich freue mich einfach nur wahnsinnig auf die Reise jetzt.

Das hält aber leider nicht so lange an, der Flug ist verspätet und mir ist schon das erste Mal langweilig. Allerdings habe ich in Madrid sowieso 3h Aufenthalt, also muss ich mich zumindest nicht gestresst fühlen.

Endlich im Flieger fühle ich mich erst sehr Findus, es ist nämlich arschkalt. Ich beglückwünsche mich dafür nicht nur in langen Hosen und mit Jäckchen zu reisen, sondern auch meinen Riesenschaal ins Handgepäck gepackt zu haben. Keine Ahnung wie die Chica hinter mir das aushält, dem anschien nach fliegt sie mit ihrem Badeanzug oder was genau soll das sein? Gut eingemummelt lehne ich mich dann ans Fenster und geniesse die Aussicht.

Beim Abheben befällt mich ein kleineres Gefühlschaos, da ich mir etwas bewusst werde, dass ich der Schweiz doch etwas länger Adieu sagen muss. Das Patchwork der Felder, Zürich, die Seen und ganz hinten die Berge, das alles sieht so sehr nach Heimat aus, dass zumindest ein wenig Nostalgie in mir aufkommt. Aber wie gesagt, ich freue mich so krass auf Peru jetzt dass ich mich bald Netflix widme. Der Film packt mich so sehr, dass die zwei Stunden sehr schnell vorbeigehen.

Spanien sieht dann von oben vor allem trocken aus. Die Stewardess murmelt eine Durchsage die tönt als spreche sie mit einem halben Brötchen im Mund. Wir landen und fahren gefühlt zweimal noch nach Barcelona und zurück bis wir endlich am Parkplatz sind und alle nach draussen drängen. Die Busse warten schon und frieren uns mit einer arktisch eignestelleten AC wieder ein bis wir endlich aussteigen und ich mir den Weg zum nächsten Terminal suchen kann. Hier muss erstmal Wasser her, ich spüre das Kopfweh jetzt schon kommen. Alle sprechen Spanisch und das macht micht glücklich! Vom Terminal aus gehen verschiedenste Flüge zu allen Destinationen in Südamerika und ich fühle mich mit all den Leuten hier, als wäre ich schon fast dort. Nur noch 11.5h aushalten, dann bin ich da!