Am frühen morgen packe ich meine 7 (oder eher 100) Sachen zusammen und gebe die Schlüssel zum Zimmer an Katia ab. Nur 10min entfernt finde ich meine neues Hostal. Ich werde sehr freundlich empfangen, mein Gepäck wird in den 2. Stock getragen und ich darf mich noch ans Früstück setzten bevor es in einer Stunde auf die nächste Tour geht. Heute werde ich auf den Nevado Pastoruri steigen. Nevados wreden die Berge genannt die Nieve, also Schnee, darauf haben. Das ist so ab 5000m.ü.M. Der Fall. Um mich auf die Höhe vorzubereiten will ich mir also einen Kokatee zubereiten. An der Theke sitzen schon eienige Leute. Unter anderem ein grossgewachsener Mann mit etwas orangen Haaren. Mein Blick bleibt an ihm kleben. Dieses schiefe Grinsen kenne ich doch…? Kann nicht sein! Ich setzte mich an die Bar und giesse heisses Wasser auf. Mir fehlt aber der Zucker. Der steht bei dem mir so bekannten Mann und seiner Freundin. Ich höre dass sie Schweizerdeutsch sprechen. Ich muss ihn Fragen. Nicht nur nach dem Zucker. Ich stelle mich zu ihnen und meine, „Chan ich bitte de Zucker ha?“ „Klar keis Problem“, mir wird der Zucker in die Hand gedrückt. Ich starre den Mann immernoch saudämlich an. „Kenned mir üs nid?“ „Ähm du bisch Kathrin?“ „Ja und du bisch de Alex….“ Vor mir sitzt wirklich Alex Plüss mit seiner freundin Meret. Ich habe ihn seit der Kanti nicht mehr gesehen und wir umarmen uns lachend. Wir können beide dem Zufall nicht glauben. Wir setzten uns für das Frühstück zusammen und Alex erzählt mir dass er jetzt auf dem Hönggerberg bei den Computational Biologen arbeitet. Ich finde es noch besser dass ich ihn da nie getroffen habe sondern erst 14h fliegen muss um ihn mal wieder zu sehen. Er und Meret waren Bergtouren machen, sie sind schon etwa 5Jahre zusammen nachdem sie sich im Biologiestudium kennengelernt hatten. Sie hat gerade als Biologielehrerin angefangen. Schlussendlich müssen die beiden aber gehen, ihr Bus nach Lima fährt gleich. Und mir wird auch bald gerufen. Der Bus meiner Tagestour steht vor der Tür.
Im Bus werde ich neben Karolina aus Brasilien gesetzt. Sie ist 32 Jahre alt und für ein paar Tage in Peru. Nach Huaraz geht es noch weiter nach Cuzco. Obwohl es erst ihr 2. Tag in den Anden ist will sie heute ohne Höhentabletten auf den Pastoruri steigen. Ziemlich mutig wie ich denke… Wir unterhalten uns prächtig und die erste Stunde der Busfahrt vergeht wie im Fluge. Wir stoppen kurz in einem restaurant um einen Mate de Coca (Kokatee) zu trinken, dann gehts auf einer Dreckpiste weiter. Die Landschaft ist sehr trocken. Unser Guide erzählt nun fast nonstop wie sehr sich die Pastoruri-Tour über die letzten Jahre verändert hat. Leider, so meint er, werden wir heute nur noch die Überreste eines einstmals beindruckenden Gletschers sehen. Ind en 1990er Jahren als er das erste Mal eine Tour da hinauf geführt hatte konnte man noch Eishöhlen besichtigen und auf das Eis steigen. Heute ist der Pastoruri fast abgeschmolzens und es hat sich am Ende der Gletscherzunge eine grosse Laguna gebildet. Das übrig gebliebene Eis werde schätzungsweise noch 10 Jahre bestehen bevor auch der letzte Rest des ewigen Eises verschwunden ist. Dann flogt eine sehr lange und detailgetreue Erklärung warum der Klimawandel diese Änderungen hervorruft. Für mich ist da zwar nicht sehr viel Neues drin, aber ich merke das unser Führer wirklich weiss von was er spricht und das es ihm auch sehr zu Herzen geht was die Klimaerwärmung in seinem Land anstellt. Dann erzählt er uns weiter welche Pflanzen wir draussen sehen. Das ist vor allem ein stachliges Grass aus der Familie Stipa. Hier erwähnt er warum es schlecht ist Kühe darauf weiden zu lassen: Sie reissen die Pflanze mitsamt Wurzeln aus anstatt nur die fressbaren Teile abzukauen wie es Schaafe oder Geissen tun. Auch hier wieder merkt man das er vom Fach ist, es ist sehr interessant seinen ausschweifenden Ausführungen zuzuhören und dabei aus dem Fenster zu sehen wo wie hier zB eine Lagune vorbeizeht:

Dann kommen wir zu unserem Ersten Stopp: eine Mineralwasserquelle. Das Wasser sprudelt nur so aus dem Boden. Es sei sehr reich an Eisen und die Leute hier hätten ihm heilende Kräfte zugesprochen. Allerdings musste diese Legende sehr schnell revidiert werden nachdem Forscher sehr hohe Konzentrationen von Blei und anderen Schwermetallen in der Quelle feststelten. Fast schöner als die Quelle ist hier auch die Landschaft. Die gelbliche Stipa wächst im sumpfigen Umfeld der Quelle und wird von Hügeln und dahinter von den Nevados der Cordillera Blanca eingerahmt.


Weiter im Text gehts mit dem Bus. Langsam kurven wir höher. Und da sticht plötzlich ein schwarzer Pfahl aus dem Boden. Und da noch einer und noch einer. Wir sind am zweiten Stopp unserer Tour angelangt, bei den Hüglen der Puya raimondii. Diese Pflanze gehört zur Familie der Ananas und ihr Blütenstand wird bis zu 18m hoch. Sie produziert Milliarden von kleinen Blüten und später ebensoviele Samen. Die wie ein eingerolltes Stachelschwein aussehende Basis der Pflanze allein ist schon 3m hoch. Die Puya blüht nur einmal in ihrem bis zu 100Jahre daurendem Leben, dann stirbt sie. Umso erstaunter bin ich so viele Pflanzen in Blüte zu sehen. Ich bin wahnsinnig fasziniert von der Flora dieses Ortes. Die Biologin drückt extrem durch! Ausser den Pflanzen gibt es hier auch noch eine kleine Lagune die 7 Farben haben soll… Die hat für mich aber gerade 2. Priorität. Ich mach viel zu viele Fotos und dann wird wieder eingestiegen und in wirkliche Höhen hinaufgefahren.





Im Gespräch mit Karolina merke ich irgendwann dass das Atmen schwerer wird. Bald darauf heisst es wir seien jetzt da. Die Stipa-Büschel sind Steinen gewichen hier auf 4800m.ü.M. Der Bus entleert sich und schon nach 3 Schritten spüre ich wie mein Herz kräftiger schlagen muss. Der Weg hinauf zum Gletscher ist sehr einfach und auch eher flach. Aber das bisschen Steigung ist auch genug, ich komme sehr schnell ins Keuchen. Wenn wir zurückblicken zum Basecamp sehen wir die hohen Gipfel der anderen Schneeberge auf uns hianbblicken.

Langsam, ganz langsam aber stetig, sage ich mir und versuche eine Pase zu fassen die mich nicht an den Rand eines Kreislaufkollapses treibt. Es hilft nicht gerade dass Yohann mich jetzt anquatscht. Der junge Peruaner ist Stundent in Lima und fragt mich über die Schweiiz aus. Ich mag ihm aber fast nicht antworten bis wir oben sind. Es geht nur knappe 20min, aber das ist schon viel für die paar hundert Meter. Dann breitet sich die Lagune im ehemaligen Gletscherbett aus. Die Aussichtsplattform die vor nur gerade 10 Jarhren gleich am Eis gestanden hat ist jetzt fast 100m davon entfernt. Da ich schon andere Gletscher gesehen habe beindruckt mich Pastoruris Gletscherchen nichtmehr. Eher stimmt es mich traurig den lebenden Beweis von Klimawandel vor mir zu haben. Das sage ich auch Yohann und unserem Führer Max.



Dann muss ich erstmal mich hinsetzten und eine Banane essen. Es ist grauenhaft wie sehr einem die Höhe Energie entzieht! Dann wird noch etwas geschaut, fotografiert und herumgewandert. Dann geht es schon bald wieder runter und in den Bus zurück. Wir fahren zum Mitagessen in das erste Restaurant zurück. Karolina und ich verstehen uns wunderbar und vereibnaren uns in Cusco allenfalls nochmals zu treffen. Sie hat da zwar ein eher Straffes Programm, aber für ein Abendessen sollte es schon reichen. Dann fährt der Bus uns wohlgeährt und müde von der Höhe und der Sonne zurück nach Huaraz.
Das Highlight dieser Tour war für mich definitiv nicht der Gletscher sondern die Puya raimondii. Sie prägt die Landschaft dieser Hügel extrem und kommt nur noch selten in Peru und Bolivien vor. Ich hoffe dass sie sich, im gegensatz zum schon verlorenen Gletscher noch ein bisschen hält.
Etwa um 7Uhr komme ich in Huaraz an. Ich will duschen gehen und stosse im Zimmer auf Raz, meinen Mitbewohner. Er kommt aus Israel und ist mit einer etwa 7köpfigen Truppe aus seinem Land unterwegs. Wir schwatzen eine wenig und er fragt mich ob ich nicht mit ihnen Abendessen kommen will. Ok, klar, ein gemütliches Abendessen mit Kollegas aus dem Hostel, super. Wohin gehen wir denn frage ich? Ins Jüdische Haus von Huaraz bekomme ich zur Antwort. Oh ok super, vielleicht essen die ja was anderes als Pollo con Arroz… mit dem Taxi kommen wir in ein paar Minuten in dem ominösen Haus an. Als wir eintreten meint Raz, sie beten noch. Etwa 30Leute sind in der Stube versammelt, mit der Kippa auf dem Kopf und der Bibel in der Hand. Der weiss gekleidete mit den langen Kotleten muss wohl der Rabbi sein. Er singsangt vor sich hin in hebräisch, die anderen Antworten. Die Frauen machen versteckt hinter einem Vorhang mit. Aus der Küche riecht es nach oritenalischem Tee und ich fühle mich in ein anderes Land versetzt. Ich warte mit Raz draussen im Flur. Er erklärt mir die verschiedenen Gebete.
Das Gebete geht noch eine viertelstunde, dann wird in den oberen Stock an den Tisch gebeten. Hier sind auch schon Leute und insgesamt werden sicher 50 Stühle besetzt. Ich bin nicht die einzige Eingeladene, ein Japaner und ein Däne schauen etwa gleich blöd aus der Wäsche wie ich. Salate werden verteilt, noch isst aber niemand. Ich bin begeistert, ich meine SALAT! 😀 Dann erheben sich alle. Nochmals ein Gebet. Für den Shabbat, wie Raz mit zuflüstert. Brot wird gebrochen und verteilt, dann endlich können alle essen. Raz‘ Truppe sind alle hier und erzählen mir aus dem Militärdienst von 3Jahren den alle Israeli absolvieren müssen. Ich spreche auch mit einer Jüdin am Tisch die aus New York kommt und heute ebenfalls hier zu ihrer Community gefunden hat. Und genau so fühlt es sich an. Wie eine Community die zusammenhält. Ich diskutiere vieles mit Raz an diesem Abend, er scheint mir ein sehr interessanter Mensch zu sein. Aber irgendwann fallen mir vor Müdigkeit fast die Augen zu. Raz‘ Kollege geht es ähnlich und so verlassen wir das Haus der Juden nach einem super Salat, einem Nährreichem und sehr vegetarIschen Hauptgang und einem feinen süssen Dessert. Ich falle totmüde ins Bett. Was für ein Abschluss eines sehr interressanten Tages.

















Weiter gehts zur Plaza de Soledad wo wir ein Tour-Büro finden welches im Reiseführer angepriesen wurde. Es gibt einen solchen Überfluss an Touranbieter dass es einem sturm werden kann und man nicht weiss wo man anfangen soll zu buchen. Wir haben aber richtig gewählt und entscheiden uns gleich am nächsten Tag zur wahrscheinlich bekanntesten Naturattraktion des Parque Nacional Huascaran zu fahren: der Laguna 69. Für heute wird uns der Mirador (Aussichtspunkt) empfohlen und ein kurzer Ausflug nach Wilkahuain, einer Wari-Ruine.
Beim Abstieg meint Roberto er habe Hunger, es ist ja auch schon 13:30. Ich selbst bin noch pappsatt vom Zmorge und geniesse meinen Ananasshake währned Roberto ein MEnu zerdrückt. Keine Ahnung wie der Mann so dünn sein kann…?! Weiter im Takt geht es in der Calle Cajamarca wo die Microtaxis zu Wilkahuain losfahren. Wir dürfen vorne einsteigen da ich hinten die Beine gar nicht zwischen die Sitze bringe. Der VW Bus macht mir ein wenig Angst, er sieht aus und tönt als würde er gleich auseinaderfallen. Die Beifahrertür kann nur noch von aussen geöffnet werden und innen im HAndschuhfach klirren lose Schrauben von denen ich nicht wissen will wo sie überall fehlen. Gottseidank bin ich schon das erste Mal müde (die Höhe macht sich bemerkbar) und wache erst auf als Robertos Kopf an meinen stösst als er auch eindöst und wir beide fast aus dem Fenster fallen. Da sind wir aber gleich am Ziel. Die Gegend ist geprägt von den angepflanzten Eukalyptusbäumen, Mais und Weizen. Die Wilkahuain Ruinen liegen gleich am Rand eines Centro Poblado (Bevölkertes Zentrum, ein sehr kleines Dorf). Es ist jetzt nicht total überragend, aber man sieht eine sogenannte Chullpa, also ein Grabhaus mit zwei Stöcken in denen man neben den Mumien auch Gefässe, Schmuk und Werkzeuge der Wari gefunden hat. Das ganze ist ca. 1300-1000 Jahre alt.
Nach der Besichtigung wird uns gesagt es gäbe noch weitere Chullpas etwas höher oben, 10min zu Fuss. Wir verpassen aber offensichtlich den Abzweiger (Signale wären nicht schlecht…) und geraten auf einen Wanderweg der gerade den Berg hinaufführt. So steigen wir bis zu einem kleinen Aussichtspunkt hinauf und sehen uns ein wenig die Landschaft an. Auch hier wieder, die Sonne ist ein genuss, auch wenn ich den Sonnenbrand schon spüren kann…
Nachdem wir zurück bei den Ruinen ankommen müssen wir etwas warten da am späten Nachmittag nichtmehr viele Kombis den Weg bis ins Centro Poblado hinauffinden. Wir suchen einen Kiosk. Viele Leute hier leben von der Landwirtschaft. Die Frauen tragen ihre typische Cholita-Tracht: Farbige Röcke und einen hohen, breitkrempigen Hut. Vom Reiseführer her weiss ich, das hier schon Touristen ausgeraubt wurden, aber mit Roberto getraue ich mich viel mehr. Er ist sich die dreckigen Strassen aus Villa Rica und den Communitites gewohnt. Dann schnappen wir uns ein Micro und fahren zurück in die Stadt wo wir im Markt Essen für die morgige Wanderung einkaufen gehen. Dann wollen wir beide eher früh ins Bett da wir von der Höhe ziemlich erschöpft sind und wir morgen auch sehr früh aus den Federn müssen, Abholung ist um 4:40.
































