Um viertelvor11 treffe ich Steell in der Rezeption. Eigentlich kennen wir uns gar nicht so gut, wir hatten in Cuenca einen Tag zusammen im Parque Cajas verbracht und danach die ganze Nacht durchgefeiert. Am nächsten morgen mussten Dominique und ich ziemlich schnell abreisen, deshalb hatten wir uns nichtmal mehr verabschieden können. Und trotzdem fühle ich mich als würde ich einen alten Bekannten treffen. Steell ist Musiker aus PAsion, arbeitet aber bei seinem Vater im Geschäft wo er sozusagen die Bauüberwachung macht das heisst er organisiert die Handwerker, schaut das nichts kaputtgeht, bespricht mit den Auftraggebern das Design und die Ausführung. Just im Moment hat er aber ein paar Tage frei wegen eines Wassrschadens im eigenen Office. Er kann mich also ohne weiteres ein bisschen herumführen meint er.
Mein Hotel ist ein Häuserblock von der Plaza de Armas entfernt. Da steht auch Huanucos neue, moderne und ultrahässliche Kathedrale. Wir machen aber gar nicht erst halt hier sondern nehem gleich ein Auto nach Tomayquichua, ein Dorf etwa 20min ausserhalb der Stadt. Huanuco selbst ist etwa gleich gross wie Schaffhausen von den Einwohnern her, kommt mir aber grösser vor. Die Häuser sind mehrheitlich aus roten Ziegeln und es errinnert mich sehr an Huancayo, welches ebenfalls in den Bergen liegt. Allerdings ist es hier, im Gegensatz zu Huancayo angenehm warm. Die Hügel rund um die Stadt, welche langestreckt in einem Tal liegt sind karg und trocken. Es wachsen Agaven, Kaktusse und der obligate Eukalyptus, nicht sehr viel mehr. Angepflanzt wird Mais, Kartoffel und Zuckerrohr, wie ich später noch lernen werde.
In Tomayquichua lebte im 18.Jh eine Schauspielerin mit dem Namen Maria Micaela Villegas. Sie wurde bekannt als Mätresse des Königs, weshlab man sie Perra Chola nannte, was eingeltich sehr rüde ist da es Hündin bedeutet. Die Leute mochten Maria aber sehr, deshlab wurde ihr Übernahme zu La Perricholi verbessert, was ein wenig netter tönt. Steell und ich essen erst ein Picante de Cuy (MEerschweinchen, sehr typisch für die Gegend) in einem Recreo (einem grossen Freizeitcenter für Familien am Wochenende mit Spielplatz, Hotel und Pool), dann gehen wir uns das Minimuseum in dem Haus der perricholi ansehen. Dort kann man ihr Bett, ihre Kleider, ein paar Gemälde, Bilder und Fotos, sowie die Küche und den Garten mit Brunnen ansehen.





Das ganze ist hübsch gemacht und Steell kann mit auch die ganze Geschichte der Perricholi erzählen. Dann spazieren wir durchs Dorf an einer grossen Hochzeitsfeier vorbei, weiter zur Kirche wo ca. 20Leute gerade den Namenstag der Dorfheiligen feiern mit Blasmusik und Tanz und von da über Land zum nächsten Dorf. Unterwegs daten wir uns über unser Leben ab. Steell möchte unbedingt wieder reisen gehen, nach Europa und Afrika wenn möglich. Er plant nächstes Jahr nach Prag zu fliegen.
Wir spazieren dem Fluss Hullaga nach. Auf halbem weg zum nächsten Dorf kommen wir an der Hacienda Cachigaga vorbei. Hier liess sich vor ca. 3 Generationen eine italienische Familie nieder und kauften extrem viel Land. Dies verpachteten sie an Bauern welche es bewirtschafteten und Zuckerrohr anpflanzten. Dieses wurde in der Hacienda zu Agua Ardiente (Feuerwasser, also Schnaps) verarbeitet. Nach der Agrarreform 1969 wurden die Felder den Bauern zurückgegeben und die HAcienda musste den Zuckerrohr von ihnen abkaufen. Sie blieb aber bis heute bekannt als die Herstellerin des besten Zuckerrohrschnaps der Welt. Steell erklärt mir das alles während wir die HAcienda erkunden. MAn sieht die Zuckerrohrpresse welche mit einem Wasserrad betrieben wird, sowie die Gärtanks und die alte, sowie die neue Destillationsanlage. Dann können wir im Hausshop ein paar der Produkte degustieren. Beim Agua Ardiente schüttelt es mich richtig, der ist richtig stark. Mit Anis wird das ganze nicht besser, bääh… gut finde ich allerdings den Honig welchen sie ebenfalls gewinnen und den sogenannten Nectar de Caña (Zuckerrohrnektar, einfach gepresstes Zuckerrohr), die sind schön süss 🙂


Wir wandern weiter der staubigen Strasse nach bis nach Pampas. Wie gesagt ist die Natur hier eher trocken, die Bäume etwas stachlig und knorrig, alles ist eher braun als grün. Immer geht ein Wind und trägt einem Staub und Sand in die Augen. In Pampas nehmen wir ein Taxi bis an den Stadtrand von Huanuco.

Von dort laufen wir, an der Universität vorbei zur Plaza San Sebastian mit seiner hübschen blauen Kirche. Auch ein Löwe ziert den Park, die Huanuceños nennen sich selbst nämlich Caballeros de Leon, die Löwenkavalliere. Das hat irgendwas mit dem König zu tun der anscheinend einmal meinte es gäbe nirgends in Peru so viele studierte Leute wie in Huanuco.



Als wir wieder auf der Plaza de Armas stehen ist es schon 5Uhr nachmittags und ich muss dringend unter die Dusche. Steell und ich verabschieden uns, machen uns frisch, eine Stunde Siesta und dann treffen wir uns um 7 wieder bei mir im Hotel. Bzw um halb8 da Steell die pünkltichkeit eines waschechten Peruaners hat. Er hat Josué, einen Freund welcher bei ihm in der Rockband spielt, und eine Gitarre dabei. Wir kaufen uns eine Flasche Rum und Cola und setzten uns auf die Puente Calicanto. Das interressante an dieser Brücke ist dass man zu ihrer Konstruktion unter anderem Eiweiss gebraucht hat um die Steine zusammenzukleben. Ausserdem war hier noch irgendwie eine Schlacht gegen die Spanier oder so, Steell hat das ganze mit sehr viel Motivation vorgetragen aber ist immer wieder abteschweift, deshlab hab ich sam Schluss nicht mehr ganz gecheckt. Als die Flasche leer ist gehts weiter zum Kiosk und mit der zweiten Flasche in einen nahen Park. Weitere Freunde treffen ein, alles Musiker. Die Gitarre wird ausgepackt und die Jungs singen und musizieren und schaukeln mit jedem Becher besser. Irgendwann um 12Uhr wird es kalt und wir vergelgen die Outdoorparty in die Disco bis ich um 2Uhr fast stehend einschlafe. Die Jungs bringen mich zum Hotel und Steell nötigt den Nachtwächter mich bis in den 6. Stock zu begleiten was ich jetzt doch ein wenig übertireben finde weshalb ich den armen Jungen nach 2 Stöcken wieder nach unten schicke. Ich finde auf meinem Nachttisch noch eine Mango zum Znacht und dann schlafe ich wie ein Stein.